Auf ein Wort

Auf ein „Wort“

Täglich bekomme ich Mails oder Anrufe, die sich wie ein „Ei dem anderen“ gleichen. Sie wissen nicht, was ich genau meine? Lassen Sie mich das an einem Beispiel kurz erklären:

  • Hallo, Kampfsportschule Müller, was kann ich für sie tun?
  • Mein Name ist Frau Hitschlipuh, ich habe ein 4 jähriges Kind und interessiere mich für Kampfsport, wann sind die Trainingszeiten und vor allem was kostet es?
  • Danke für ihren Anruf, was hat ihr Kind bisher sportlich gemacht?
  • Oh, eigentlich nichts, er liebt Fernsehen zu schauen und ab und zu schnappt es sich mein Handy,  ich möchte, dass es sich das ganze mal ansieht.
  • Kein Problem, dann lade ich sie gerne mal auf ein Probetraining ein. Können sie Montag oder Donnerstag vorbei kommen?
  • diese Woche? Neee da habe ich überhaupt keine Zeit, wissen sie………
  • Was möchten sie den gerne, dass wir mit ihrem Kind erarbeiten sollen, was ist ihr persönliches Ziel für ihr Kind? Was soll sich bei ihrem Kind ändern?
  • Na ja, es zeigt keinen Respekt, auch uns gegenüber, hat keine Disziplin, schlägt nach anderen Kindern im Kindergarten und ab und zu beißt es auch mal zu, ach ja und es schlägt und spuckt auch mal nach uns, wenn es nicht nach seinem Kopf geht.

Für mein Lehrerteam und meine Person ist das schon „Alltag“ wenn nicht dann der Satz der Sätze noch angefügt würde:

                                        Wissen sie, mein Kind soll vor allem Spaß haben.

 

  • Hier versuche ich unbemerkt tief Luft zu holen und ich versuche Frau Hitschlipuh mitzuteilen, dass sie im Begriff ist, ihr Kind bei einer Kampfkunstschule anzumelden. Kampfkunst heißt Disziplin, Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein, Respekt, soziales Verhalten uvm. Sicher haben unsere Kinder Spaß, es wird auch viel gelacht, aber mein Lehrerstab arbeitet nicht im „Animateur Bereich“, hierfür gibt es Einrichtungen wie das „TakkaTukka Land“! Ich bin mir sicher, hier hat ihr Kind mehr Spaß, vor allem dann, wenn sie am Abend noch sein Zimmer aufräumen.

Dann kommt das erste Training zustande. Frau Hitschlipuh mit Sohn erscheint zum Training. Ich konnte sie davon überzeugen, dass ihr Kind gleich einmal mitmacht – denn vom „Zugucken“ lernt man wenig. Bevor das Training beginnt, teilt sie mir noch  mit: Wissen Sie, wenn es ihm gefällt, dann planen wir ihn anzumelden. Bei jedem Verein würde jetzt das Herz höher schlagen. Von mir erhält sie folgende Antwort: Das einzige was ihr Kind heute nach dem Training mit Bestimmtheit sagen kann ist: Mama ich möchte auf meine Pommes Ketchup oder Majonnaise. Denken sie doch einmal daran, wie lange die Eingewöhnzeit im Kindergarten gedauert hat, haben sie ihr Kind da gefragt: gefällt dir der Kindergarten? Ist das Spielzeug auch schön für dich? Möchtest du gerne hier her?

Sie konnten das gar nicht, denn vor der Türe des Kindergartens wartet bereits die Berufswelt auf sie! Wir hatten schon Kinder, die standen 4 Wochen neben der Matte und haben zugeschaut, heute sind sie voll integriert und sie haben zusammen mit den anderen ihren Weg gefunden.

                                 Ich glaube Sie haben jetzt verstanden was ich meine – oder?